The new way of working
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Liebe Leserin, lieber Leser,

Die digitale Revolution, die wir in den letzten Jahrzehnten erlebt haben, ist dabei, eine Revolution der Arbeitsweisen auszulösen. Weil die modernen Kommunikationstechnologien zahlreichen Arbeitnehmern ermöglichen, selbstständig und unabhängig von Zeit und Ort zu arbeiten, ist Arbeit nicht länger ein Ort, zu dem man hingeht, sondern etwas, was wir tun - mit interessanten Effekten auf Staus und überlastete Straßen und unser Bedürfnis zu reisen. In diesem e-update werden wir begutachten, was diese neue Art zu arbeiten auszeichnet und wir werfen einen Blick auf Beispiele und Tipps von einigen der diesbezüglich führenden Länder in Europa. PS: als anschauliches Beispiel präsentiert KpVV einen "live webcast", Details am Ende dieses e-updates.

 

 

Der mobile Mitarbeiter

Die "Neue Art zu arbeiten" zeigt sich in vielen Varianten. Sie umfasst flexible Arbeitszeiten ("Gleitzeit"), die Planung von Besprechungen außerhalb der Stoßzeiten, Tele- und Videokonferenzen, Webcasts und über das Internet geführte Seminare (Webinare), komprimierte Arbeitszeiten (vereinbarte Arbeitszeiten über wenige Tage verteilt) und nicht zuletzt Telearbeit.

Tele- oder Fernarbeit ist mehr, als gelegentlich einige Lesematerialien mit nach Hause zu nehmen. Es bedeutet, zu Hause, unterwegs oder an einem anderen Ort tätig zu sein und dabei mit der Firma und ihren Informations-und Kommunikationskanälen verbunden zu bleiben. Dies kann beispielsweise das ganztätige Arbeiten außerhalb des Büros umfassen oder nur bis zu dem Zeitpunkt dauern, bis die morgendliche Stoßzeit vorbei ist. Die Forschung zeigt, dass ein verbessertes Gleichgewicht zwischen Privatleben und Arbeit und das Halten von Mitarbeitern die Hauptgründe für Firmen sind, den Mitarbeitern die Option der Telearbeit anzubieten. Darüber hinaus gehören erhöhte Produktivität, weniger Fehlzeiten und verringerte Büroräume und Parkplätze zu den Vorteilen von Telearbeit.

Act Travelwise, ein britischer Verband zur Förderung nachhaltiger Mobilität(entscheidungen), hat kürzlich vier praktische Führer für Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit nützlichen Tipps zum Arbeiten von zu Hause aus veröffentlicht. Darunter sind u. a. Hinweise zu Konferenzschaltungen, Videokonferenzen und dem nützlichen Umgang des Smartphones zu finden. Mehr Tipps aus der Wirtschaft können unter ways2work, Flexibility und dem actnow flex project gefunden werden. Hinweise für Kommunen sind in der Broschüre Making Smarter Choices Work zusammengetragen worden (siehe Seite 37).

 

 

Telearbeit und Verkehrsbelastungen: Eine komplizierte Beziehung


In den Niederlanden hat sich die Anzahl der Telearbeiter zwischen 2003 und 2009 verdreifacht und umfasst heute ungefähr 19% aller Beschäftigter. Die Verkehrsbelastungen wurden dadurch jedoch nicht gesenkt. Dies kann möglicherweise durch eine Erhöhung der Distanzen zwischen Wohn- und Arbeitsorten begründet werden. Die "Neue Art zu arbeiten" macht es weniger unangenehm, weit weg vom Arbeitsplatz zu leben. Die Förderung der Telearbeit sollte deshalb Hand in Hand mit anderen Maßnahmen im Bereich des Mobilitätsmanagements gehen, wie es bereits bei der Förderung des Pendelns mit öffentlichen Verkehrsmitteln geschieht. Mit der richtigen Ausrüstung können die Beschäftigten im Zug ihre Telearbeit fortsetzen. Um der Telearbeit einen neuen Schub zu geben, hat die niederländische Regierung eine neue Kampagne gestartet: "Die neue Art zu arbeiten: Mach es selber" ("Het Nieuwe Werken Doe Je Zelf" (NL)). Zunächst gab die Kampagane Informationen heraus und regte die Menschen an, Telearbeit auszuprobieren. Nun regt sie Firmen zu strukturellen Veränderungen an (Ausrüstungen, Arbeitsverträge), um die Telearbeit in ihre Organisationskultur zu integrieren.

 

 

Vertrauen und Verantwortung

Quelle: ChristianSarkar.com

Die "Neue Art zu arbeiten" erfordert ein großes Maß an Vertrauen von Arbeitgebern. Viele befürchten beispielsweise, dass Telearbeiter zu viel von ihren persönlichen Angelegenheiten abgelenkt werden. Eine aktuelle französische Umfrage (FR) gibt allerdings an, dass 94% der Telearbeiter zustimmen, dass sie sehr gut in der Lage sind, ihr Berufsleben und ihr Privatleben trennen zu können.

Ein wichtiger Vorreiter ist Semco, ein brasilianisches Unternehmen. CEO Ricardo Semler gewährt seinen Mitarbeitern ein außergewöhnlich hohes Maß an Flexibilität und Verantwortung. Sie haben absolute Freiheit darin, ihre eigene Arbeitszeit zu verteilen, was beispielsweise dazu führen kann, dass sie am Sonntag arbeiten und am Montagnachmittag ins Kino gehen. In dieser Hinsicht startet die Woche mit einem Gefühl wie bei einem "Sieben-Tage-Wochenende". (Mehr Informationen: YouTube Video, Interview, Rezension von Semler's Buch).

Immer öfter werden Arbeitnehmer daran gemessen, welche Ergebnisse sie erzielen und weniger daran, wie viel Zeit sie im Büro verbringen. Dies kann eine Menge Druck auf die Arbeitnehmer ausüben. Nicht jeder wird sich mit der "Neuen Art zu arbeiten" wohlfühlen. Auf der anderen Seite verändern sich nicht nur Unternehmen und die Art der Arbeit, sondern ebenfalls die arbeitenden Menschen. Junge Talente, die in den Arbeitsmarkt eintreten, sind heute Bestandteil der Generation Y (Menschen die zwischen 1982-2000 geboren sind). Sie sind die "digital natives", die schnelle und intuitive Kommunikationstools wie Instant Messaging (Chat), Skype, Facebook und Wikipedia verwenden. Um diese Menschen zu interessieren und zu binden, sollten Unternehmen ihre Arbeitsweise an die der neuen Mitarbeiter anpassen und nicht umgekehrt. Die enorme Entwicklung, die Technologie und mit ihr die Menschen , werden anschaulich in diesem YouTube Video vorgestellt.

 

 

Das Büro als Treffpunkt

Quelle: www.triplepundit.com - blogpost Mrs. L.C. Latimer


Wenn mehr Mitarbeiter häufiger Telearbeit betreiben, könnte es sein, dass es für sie nicht länger notwendig sein wird, einen festen Schreibtisch im Büro zu haben. Viele Unternehmen verbinden Telearbeit mit flexiblen Arbeitsräumen. Einige Modelle erfordern von den Mitarbeitern, dass sie sich einen Arbeitsplatz vor Ort im Voraus reservieren (Hotelling), andere Systeme erfordern dies nicht (hot desking). Neben dem Platzsparen, haben flexible Arbeitsorte einen zusätzlichen Vorteil, den Frau Leilani C. Latimer von Sabre Holdings in einem Blogpost mit dem Titel "Wie flexible Arbeitsorte ihre Unternehmenskultur verändern können" erklärt.
"... unsere Mitarbeiter haben sich nicht nur an die neue "Flexspace"- Umgebung gewöhnt. Sie begannen enger miteinander zu arbeiten und Barrieren zwischen Projekten und Abteilungen zu überwinden. Dadurch ist eine Atmosphäre der Zusammenarbeit entstanden, die letztlich unsere Wettbewerbsposition in der sich schnell entwickelnden Reisebranche gestärkt hat."

Wenn einige individuelle Schreibtische wegfallen, kann Konferenzräumen mehr Platz eingeräumt werden. Das Büro wird dann zu einem Ort, an dem man sich mit anderen Kollegen treffen kann und weniger als Ort genutzt, an dem einzelne individuelle Aufgaben wie das Schreiben von Berichten erledigt werden. Ein schönes Beispiel für flexible Arbeitsplätze ist in dem neuen niederländischen Microsoft Büro (YouTube Video) zu finden.

 

 

Virtuell präsent bleiben

Foto: Teliris VL Executive - Copyright: www.teliris.com


Flexibles und bürofernes Arbeiten sollten Kommunikations- und Informationsflüsse zwischen Kollegen nicht behindern. Große Unternehmen wie die niederländische Rabobank (Rabo Unplugged Arbeitsparadigma) und Microsoft (z.B. Microsoft Belgium) haben viel in einheitliche Kommunikationstechnologien investiert, die ihren Mitarbeitern überall und jederzeit reibungslose Kommunikation ermöglicht.

Telefon- und Videokonferenzen können die Notwendigkeit verringern, zu Meetings zu fahren. Dabei bringt die sog. Telepräsenz bisherige Videokonferenzen auf ein ganz neues Niveau. Sie gehört zu einem Bündel von Technologien, die entwickelt wurden, um den Eindruck realer Präsenz zu schaffen (z.B. CISCO's Telepresence Werbung). Auf ihrer Website ermöglicht der Entwickler CISCO Firmen zu berechnen, wie viel Reisekosten durch die Einführung ihres Telepräsenz-Systems vermieden werden können. Heute ist es sogar möglich, holographische 3D-Projektionen zu nutzen, um eine nahezu perfekte Illusion von Präsenz zu erreichen.

 

 

Home-Office: Eine Chance für die lokale Wirtschaft


Einige Unternehmen sparen Kosten, indem sie Arbeitsplätze auslagern, wie z. B. in Callcenter oder Kundendienste oder an permanente "Homeworker" anstelle von Fremdfirmen. Dies wird "Homesourcing" oder "Homeshoring" genannt. Auf Online-Stellenbörsen wie Pajamanation Pajamanation können Mikrojobs (Übersetzungen, Grafikdesign oder Verwaltungsaufgaben) an ein Netzwerk von selbstständigen "Homeworkern" vergeben werden. Moderne Kommunikationstechnologien erleichtern es Selbstständigen, ein Unternehmen zu gründen und von zu Hause aus zu betreiben. Das französische Departement Gers beispielsweise erkannte das Potential talentierter Unternehmer zur Bekämpfung der Landflucht und gab somit der lokalen Wirtschaft einen Schub.

Mit der Initialunterstützung des europäischen Pilotprojektes "Soho Solo" (2003-2005) begann das Departement Gers, selbstständige Heimarbeiter aus ganz Europa anzuwerben und zwar mit dem angenehmen Klima und der Ruhe der Region als den wichtigsten Argumenten. Das "Soho Solo"-Team und ein Netzwerk von 50 Partnergemeinden hilft Neubürgern in der Region mit der Gründung eines Unternehmens.

 

 

Smart Work Centres: Ein Büro auf Anfrage

Das erste Niederländische Smart Work Centre in Almere (www.qualitycentre.nl)



Zuhause zu arbeiten hat offensichtlich Vorteile. Aber was ist, wenn die Kinder da sind und fürchterlichen Lärm machen? Oder wenn das Wohnzimmer nicht der ideale Ort ist, einen Kunden zu treffen? Oder wenn sie dringend sozialen Kontakt suchen. Intelligente Arbeitszentren und Workhubs bieten die Lösung: Schreibtische und Meeting-/ bzw. Arbeitsräume, die sie für eine kurze Zeit mieten können, teilweise sogar im Stundenrhythmus. Einige Zentren stehen nur bestimmten Firmen zur Verfügung, andere sind offen für jedermann. Einige bieten zusätzliche Leistungen an, wie Catering, Kinderbetreuung oder Druck- und Kopierdienste. In den Niederlanden wurden seit 2008 mehr als 100 errichtet Smart Work Centres errichtet. In Großbritannien können diese Zentren über die Website eines Workhub-Netzwerkesgefunden werden. Das Netzwerk hat kürzlich einen Bericht über die CO2-Reduktionspotentiale der Workhubs verfasst. Es wurde festgestellt, dass für den durchschnittlichen Workhub-Nutzer die Entfernung zum Workhub die gleiche ist, wie die durchschnittliche Entfernung aller Berufspendler. Aber viele von den Workhub-Nutzern fuhren sonst doppelt so weit zu ihrem Büro. Die meisten Nutzer kommen allein im Auto, aber immerhin 12% weniger als im nationalen Durchschnitt. Einer von fünf geht zu Fuß, was dem Doppelten des nationalen Anteils von 11% entspricht.

 

 

Nachrichten aus thematisch verwandten Projekten


Nach dem Abschluss des TRAVEL PLAN PLUS Projektes ist nun eine Serie von TRAVEL PLAN PLUS Veröffentlichungen verfügbar, die die wichtigsten Lehren für die Umsetzung der lokalen Travel Plan Netzwerke hervorheben. Sie können auch einen kurzen Fernkurs absolvieren, wie lokale Travel Plan-Netzwerke implementiert und erhalten werden können.

 

 

Kommende Veranstaltungen

  • Deutsche Konferenz zum Mobilitätsmanagement - DECOMM 2011
    14./15. Juni 1011, Dortmund, Deutschland
    Link zu DECOMM 2011

  • UITP Konferenz "Urban Governance - getting people on board"
    5.-7. Oktober 2011, Göteborg, Schweden
    http://gothenburg.uitp-events-expo.org/

  • Bicycle Capitals of the world: Sustainable mobility in Copenhagen and Amsterdam
    Live webcast, 7 June 2011 from 15:00 to 15:45 Central European Summer Time
    http://www.kpvv.nl

 

 
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