The highlights of the ECOMM 2013
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Lieber LeserInnen,

Der Sommer ist üblicherweise eine Periode voller Festivals und musikalischer Veranstaltungen. Tausende von BesucherInnen zu managen, die zur selben Zeit zum selben Ort gelangen wollen, ist eine echte Herausforderung für EventorgansatorInnen, ÖV-Betreiber und lokale Gebietskörperschaften. Wie auch immer, verbesserte Erreichbarkeit mittels nachhaltiger Verkehrsformen zu schaffen zahlt sich aus: mehr BesucherInnen können teilnehmen, große Verkehrsstaus können vermieden werden, was mehr Komfort für die BesucherInnen bedeutet und schließlich kann zu einem grüneren Image des Events beigetragen werden (z.B. ist die Velo-city 2013 ein „Green Event“).

Diese Ausgabe des e-update hat also Mobilitätsmanagement für große und kleine Veranstaltungen wie Festivals, Sportveranstaltungen, Konzerte oder Ausstellungen zum Inhalt. Wir werfen einen Blick auf das STADIUM Projekt, das ein ITS- (intelligente TransportSysteme) Planungswerkzeug für große Veranstaltungen entwickelt hat und beleuchten einige gute Beispiele von MM-Maßnahmen bei Veranstaltungen quer durch Europa.

 

Anreise zum STADIUM

Source: STADIUM project

Das 7RP (Rahmenprogramm) Projekt STADIUM, (Smart Transport Applications Designed for large events with Impacts on Urban Mobility) ist erst kürzlich ausgelaufen. Es hat darauf abgezielt, Transportservices und –systeme für Großveranstaltungen in großen Städten zu verbessern. Drei Großveranstaltungen wurden als Demonstratoren für ITS-Anwendungen herangezogen: die Fußball Weltmeisterschaft in Südafrika (2010), die Commonwealth Spiele in Indien (2010) und die olympischen Spiele in London (2012). In Südafrika, wurde ein bedarfsgesteuertes, rückkoppelndes Verkehrsservice in 19 Minibus-Taxis (Paratransit) installiert, kombiniert mit einem Anruf- und Buchungszentrum, was zu reibungsloserem Transport der Besucherinnen, Betreuer und Aktiven führte, die vom Flughafen zu den Spielstätten gelangen wollten. (Lesen Sie mehr). In Indien erlaubten ITS-Anwendungen ein Echtzeit-Monitoring der ÖV-Services sowie multimodale Fahrgastinformationen vor und während der Fahrt. (Lesen Sie mehr). Der Verkehr während der Olympischen Spiele in London konnte dank intelligenter, stauerkennender STADIUM Kameras und Videoanalysen weitgehend reibungslos abgewickelt werden. Mehr dazu im Video Keeping London Moving 24/7. Schauen Sie sich das an!

Ein Hauptergebnis des STADIUM Projekts ist ein Interaktives ITS Handbuch für die Planung von Großveranstaltungen. Dieses Handbuch besteht aus zwei Teilen: Der erste Teil bietet Informationen zu Großereignissen und ITS Anwendungen: Alternative Verkehrsformen, integrierte Bezahlsysteme und Plattformen, Mobilitätsmanagement, Auskunftssysteme und Verkehrsmanagement. Den zweiten Teil bildet ein ITS Entscheidungswerkzeug, das bei Auswahl und Einsatz geeigneter ITS-Lösungen hilft. Dabei stehen über 30 ITS-Werkzeuge zur Verfügung.

 

Informationsmaßnahmen

Last mile regulator, source: Wikimedia Commons, by Dave Catchpole

Informationsmaßnahmen decken idealerweise den Info-Bedarf der BesucherInnen ab, indem sie nötige Informationen zur nachhaltigen An- und Abreise zu einem Event bieten. Dabei können die MM- Maßnahmen recht einfacher Natur sein, wie etwa die Bereitstellung der wichtigsten verkehrsträgerübergreifenden Reiseinformationen auf der Ticket-Rückseite und auf der Event-Website (e.g. ECOMM 2013), oder auch elaborierter:

  • Die Reiseinformationsseite der Olympischen und Paraolympischen Spiele in London z. B bot einen Zuschauerreiseplaner, der mehr als 2,5 Millionen Menschen erlaubt hat, ihre An- und Abreise zu planen, Echtzeitinformationen zu erhalten und ihre Fahrtoptionen zu checken. Die Website bot auch Infos zu Gruppenreisen, für Reisende mit Einschränkungen bzw. die Möglichkeit, geführte Gratisspaziergänge zu den Spielen zu buchen. Der Reiseplaner war auch als Teil der ”London 2012 App” für Mobiltelefone verfügbar. Die Initiative wurde jüngst mit dem Forward Thinking Award für “Exzellenz bei Intelligenten Transportsystemen“ ausgezeichnet. Lesen Sie mehr zum Mobilitätsmanagementprogramm von London 2012, das nicht nur auf BesucherInnen abgezielt hatte, sondern auch auf den Alltagsverkehr in London. (siehe auch: Bursary Paper for the UK Transport Planning Society).

  • Ancienne Belgique, ein Konzertveranstaltungsort im Zentrum Brüssel, stellt auf der Website multimodale Anreiseinformationen zur Verfügung, inklusive Reiseplanungsanwendung sowie Info zum Bikesharingsystem Villo! Weiters gibt es Echtzeitanzeigen zu Öffiabfahrtszeiten in der Lobby. Um möglichst vielen BesucherInnen die Abreise mit Öffis zu ermöglichen, enden die meisten Konzerte bereits um 22:30.

  • Social media wurden genutzt, um BesucherInnen des „Gent Licht Festivals“ in Belgien über An- und Abreisemöglichkeiten zu informieren. Die Verkehrsabteilung arbeitet mit der örtlichen Polizei zusammen, um Verkehrsinfos via Twitter und Facebook zur Verfügung zu stellen. So konnten Autofahrende die besten Park & Ride-Plätze mit der geringsten Staugefahr wählen. (Lesen Sie mehr).

 

Öffentlicher Verkehr als logische Wahl

Source: Wikimedia commons, by Editor5807

Verbessertes Service

Wen viele Menschen zur selben Zeit zum selben Ort wollen, ist „Massen“transport die logische Wahl. Darum kooperieren viele Veranstalter mit den lokalen bzw. reginalen ÖV-Betreibern. So können etwa bestimmte Kurse (Busse, Straßenbahn, U-Bahn, Züge etc.) verstärkt geführt werden bzw. Sondershuttles eingerichtet werden. Einige Beispiele:

  • Die 13. Welt Gymnaestrada fand im Juli 2007 in Dornbirn (AT) statt. Als autofreiem Event wurden konsequenterweise keine Autoparkplätze zur Verfügung gestellt. Um den möglichst reibungslosen Transport von 50.000 bis 250.000 Passagieren (TeilnehmerInnen und ZuseherInnen) gewährleisten zu können, wurden die Betriebszeiten von Bus und Bahn ausgeweitet, Doppelstockzüge eingesetzt und Shuttleservices zu den Bahnhöfen angeboten. So konnten alle TeilnehmerInnen und BesucherInnen öffentlich in 2 Stunden zum Veranstaltungsort transportiert werden. BuslenkerInnen haben sogar Englischkurse absolviert, um auch ausländischen Fahrgästen Auskunft geben zu können. (Lesen Sie mehr auf Seite 12 und 13).

  • Während der EURO 2012 in Polen, brachte ein rein elektrisch betriebener Bus die Fußballfans zu den Spielorten der Finals. Eine neue Vorrangregelung für die Busse erleichterte die Erreichbarkeit vom Flughafen zum Stadion in Warschau und zu den ÖV-Stationen.

  • Nachdem die Führung zusätzlicher ÖV-Kurse eine teure MM-Maßnahme darstellt, führten die Organisatoren des “Musiques en stock” Festivals in Cluses (FR) zuerst eine Umfrage durch, woher die Besucherinnen des Festivals anreisen und mit welchen Verkehrsmitteln. Die Hälfte reiste von Cluses oder den Nachbarstädten an, 78% davon mit dem Auto. Um die Anreise nahhaltiger zu gestalten wurden im Folgejahr 6 Shuttlebusse von Cluses und den Nachbarstädten installiert und auch intensiv genutzt (Lesen Sie mehr).

  • Wenn auch maßgeschneiderte Shuttlebusse zu teuer kommen, kann immer noch versucht werden, lokale Gebietskörperschaften oder Organisationen dazu zu bringen, ein eigenes Service auf die Beine zu stellen. Das Mano Mundo Festival (auf Niederländisch) in Belgien belohnt solche Initiativen, indem sie diesen Bussen erlaubt, direkt vor dem Eingang stehen bleiben zu dürfen. Auch wird eine DVD abgespielt, die die BesucherInnen bereits in Stimmung bringt, inklusive kleinem Gewinnspiel für die Passagiere.

 

Bewerbung des öffentlichen Verkehrs

 

Integriertes Ticketing ist ein idealer Weg, um den ÖV bei Events zu bewerben und zu stärken. Wenn die Eintrittskarte gleichzeitig als Fahrschein für den ÖV dient, können BesucherInnen diese Option leichter nutzen bzw. wird der ÖV zur reizvollen Alternative zum Auto. Dazu gibt es seine Reihe von Beispielen (z.B. Rock Werchter, FIFA Frauenweltmeisterschaft im Fußball 2011). Wenn Gratis-ÖV zum Event nicht möglich ist, kann mit gültigen ÖV-Ticket eine Ermäßigung auf den Eintritt zur Veranstaltung gewährt werden, wie z.B. beim Sziget Music Festival, das nahe Budapest (HU) stattfindet und wo der Sziget-Budapest Citypass vergünstigt ist. Der Citypass ermöglicht Gratisfahrten per Tram, Bus, U-Bahn, Shuttlebus und Sziget-Boot, kombiniert mit weiteren Benefits (z.B. freier Eintritt ins Spa und zum Strand, ermäßigte Museumstickets etc.), und das alles zu einem angemessenen Preis (9 Euro für 2 Tage, 29 Euro für 13 Tage).

Ein sehr innovativer Ansatz zur Bewerbung der Öffis wurde in Madrid (ES) ausprobiert: Die ArtistInnen des dort gastierenden Cirque du Soleil haben eine Werbekampagne zum Benutzen der Öffis geschaltet, außerdem wurden ÖV-Tickets für alle 160 Artistinnen angekauft (Presseaussendung dazu).

 

Fahren wir gemeinsam - Let's go together

Source: Wikimedia Commons

Manche BesucherInnen werden immer mit dem Auto kommen – dies ist aus unterschiedlichen Gründen ist unvermeidlich. Um CarPooling zu bewerben ist es ratsam, eine entsprechende Anwendung auf der Event-Website zu platzieren. (z.B. Carpooling.co.uk, beim Rototom Sunsplash Event in Spanien). Auch Anreize zum CarPoolen können geboten werden. Eventpool zum Beispiel, eine Website die CarPooling bei Veranstaltungen in ganz Belgien organisiert, bietet den ersten 10 FahrerInnen, die zumindest zwei Personen mitnehmen, kostenloses Parken und Gratisshuttle-Fahrten zum Konzertort. (Lesen Sie mehr). Smartphones und eine Reihe von CarPooling Apps machen RideMatching für Besucherinnen einfacher, manchmal sogar in letzter Minute (siehe e-update zu IT und Gamification).

 

Notwendigkeit eines integrativen Ansatzes

Source: http://mobilityplans.eu

Der Einsatz individueller MM-Maßnahmen zur Bewältigung der Verkehrsströme bei Veranstaltungen ist sinnvoll, doch sind diese Maßnahmen idealerweise Teil eines noch umfassenderen Ansatzes. Ein auf die Bedürfnisse der entsprechenden Veranstaltung bzw. eine bestimmten Veranstaltungsortes zugeschnittener Mobilitätsplan mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen zeitigt die besten Ergebnisse.

  • In der Region Brüssel (BE) sind Veranstalter per Gesetz verpflichtet, bei einer Veranstaltung mit mehr als 3000 BesucherInnen (bald 1000 Besucherinnen) einen MM-Plan vorzulegen. Leefmilieu Brussel (auf Französisch und Niederländisch), die Brüsseler Verwaltungseinheit für Umwelt und Energie, leistet den Veranstaltern dabei Hilfestellung, z.B. mittels umfangreicher Info auf der Website zur besseren Erreichbarkeit von (Groß)Veranstaltungen.

  • klima:aktiv mobil, das österreichische Aktionsprogramm für Mobilitätsmanagement und Klimaschutz im Verkehr, bietet im kostenfreien Beratungsprogramm “MM für Tourismus und Jugend” Unterstützung zur nachhaltigen Abwicklung von Tourismus-, Freizeit und Veranstaltungsverkehren. Aktuelles Beispiel: das Global 2000 Tomorrow Festival (30/05-2/06/2013). Dieses grüne Musikfestival offeriert eine Menge attraktiver alternativer Mobilitätsoptionen}, so etwa ein CarPool-Tool auf der Homepage, Festival-Tickets als Fahrscheine für den öffentlichen Verkehr und Bike to festival. Bei letzterem handelt es sich um eine Gruppenradtour zum Festival über 50km mit einem Gratis-Picknick am Weg, der Möglichkeit einer Abkühlung im kühlen Nass und Gepäckstransport per Lastenrad samt Musikbegleitung. Wer am ersten Festivaltag mit dem Rad angekommen ist, hat auch ermäßigte Festival-Tickets erhalten.

  • Die Stadt Gent (BE) bietet mit der Website gentevenement.be (siehe auch Eltis Fallstudie eine Unterstützung für Veranstaltungsorganisatoren, ihr Event „grün“ zu machen. Die meisten Infos gehen dabei in Richtung Mobilität.

 

Wählen Sie Ihren Standort gut

KA Sunset Dock Im Idealfall fällt die Entscheidung, wo in Event abgehalten oder eine Stadion bzw. Veranstaltungsort gebaut wird unter Bedachtnahme auf eine gute Anbindung und Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. In der realen Praxis sind dann aber oft andere Überlegungen wichtiger. Ein neuer Veranstaltungsort sollte als gute Möglichkeit verstanden werden, nachhaltige Verkehrsformen zu bewerben. So geschehen beim Fußballverein KAA Gent (BE). Auf seiner neuen Website werden Radfahren, ÖV/Shuttlebusse und CarPooling beworben, in dieser Reihenfolge (werfen Sie einen Blick auf die Piktogramme auf der Website), mit folgenden innovativen Maßnahmen:
  • Es stehen 800 bewachte Fahrradabstellplätze gratis zur Verfügung, innerhalb einer Distanz von 100m vom Eingang. Weitere 2000 Abstellplätze inerhalb von 500m werden bald errichtet.

  • Der ÖV ist gratis, wenn man bis 2,5 Stunden vor dem Spiel ankommt und eine Stunde (oder später) nach dem Spiel wieder abreist. Die Website bietet eine Eingabemaske an, auf der der Zielort bereits angegeben ist.

  • Dank Kooperationen mit dem lokalen Handel gibt es 1000 Autoabstellplätze in der Umgebung, aber nur, wenn man mindestens zu viert im Fahrzeug anreist!

Noch mehr Inspiration gefällig?

KA Sunset Dock

Source: Wikimedia Commons

 

Kommende Veranstaltungen

Für weitere Veranstaltungen besuchen Sie bitte den EPOMM Kalender.

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