Mobility Management supports Social Inclusion
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Liebe Leserinnen und Leser,

hiermit kündigen wir den Start des Call for papers für die ECOMM 2013 an. Deadline für die Einsendung der Beiträge ist der 10. Dezember. Es viele interessante Neuerungen – besuchen Sie doch die neue Webseite zur ECOMM 2013!

Aber nun zum Hauptthema dieses e-updates
Unsere Auto-dominierte Gesellschaft schafft ungleiche Verhältnisse und führt vielfach zu sozialer Ausgrenzung: die Ausrichtung der Infrastruktur auf den Pkw kann zu einem großen Nachteil für die Verkehrsteilnehmer werden, die nicht immer über ein Auto verfügen können. Und genau diese Gruppen sind oft am meisten durch die negativen Effekte des Autoverkehrs, wie Lärmbelastung, Luftverschmutzung und eine fußgängerunfreundliche Umgebung betroffen. Eine gute Beschreibung dieser Umstände liefert die britische Studie Fairness in a Car Dependent Society. Ein passgenaues Mobilitätsmanagement trägt dazu dabei, die Pkw-Abhängigkeit und die negativen Auswirkungen abzuschwächen; so wird die soziale Teilhabe gefördert. Wir stellen nachfolgend einige anregende Projekte und Initiativen aus ganz Europa vor, die zeigen, wie Mobilitätsmanagement (MM) die soziale Inklusion fördert.

 

 

Mehr Beschäftigung für Nachbarschaften

Im Jahr 2009 rief die französische Regierung einen nationalen Wettbewerb für Projekte aus, die darauf zielten, die Mobilität von Bewohnern benachteiligter Stadtteile und arbeitslosen Menschen zu verbessern (Quartiers vers l'emploi : une nouvelle mobilité, Nachbarschaften zur Beschäftigung). Durch den Aufruf sollte die Kooperation zwischen öffentlichen Verkehrsbehörden, -betreibern, -vereinen, Arbeitgebern aus diesem Bereich und anderen Akteuren gefördert werden, um den öffentlichen Verkehr zu verbessern und weitere intelligente Mobilitätsdienstleistungen zu entwickeln. Mit einem Budget von 25 Mio. Euro wurden 48 Projekte mit mehr als 200 Aktionen in Städten jeder Größe co-finanziert:
    Mehr als die Hälfte der Projekte beinhaltete Trainingsmodule für (nachhaltige) Mobilität;
  • In mehr als einem Drittel der Projekte wurden Mobilitätsplattformen mit dem Ziel gegründet, Informationen über alle verschieden Verkehrsmittel zu geben (z. B. Quartier Yélo, FR);
  • Ein Drittel der Projekte schlug Verbesserungen vor oder erschuf neue Linien im öffentlichen Verkehr;
  • Ein weiteres Drittel der Projekte beschäftigte sich mit Leihfahrradsystemen
Das Förderprogramm endet 2013, danach werden die Erkenntnisse in einem Endbericht zusammengefasst. Erste Ergebnisse deuten an, dass das Training arbeitsloser Menschen in Mobilitätsthemen eine positive Dynamik mit sich bringt, durch die sie eher einen neuen Job finden.

 

 

Mobilitätsverhalten von Migrantinnen und Migranten


Das Mobilitätsverhalten von Menschen mit Migrationshintergrund wurde bisher in Forschung und Statistik stark vernachlässigt. Ein Report zum Stand der Forschung, der im Rahmen des IEE-Projekts TOGETHER erstellt wurde, stellt eine Übersicht der Informationen zum Mobilitätsverhalten von Menschen mit Migrationshintergrund bereit. Hier einige Erkenntnisse:
  • MigrantInnen besitzen weniger Autos als die einheimische Bevölkerung
  • MigrantInnen legen weniger Wege zurück und die zurückgelegten Wege im Auto sind kürzer
  • MigrantInnen, besonders Frauen, nutzen das Fahrrad weniger häufig.
Insgesamt zeigen die Daten, dass MigrantInnen sich nachhaltiger bewegen. Allerdings scheinen der geringere Pkw-Besitz und die geringere Wegeanzahl eher durch das niedrigere Einkommen und die höhere Arbeitslosigkeit, als durch eine Neigung zur nachhaltigeren Fortbewegung bedingt zu sein. Mobilitätsmanagement kann an dieser Stelle helfen, das nachhaltige Mobilitätsverhalten in Zukunft beizubehalten oder sogar zu verbessern. Und noch mehr: Mobilität ist eine Voraussetzung für soziale und berufliche Integration und nachhaltige Verkehrsmittel können eine gute Option sein, um Mobilität zugänglich und erschwinglich zu machen. Dazu hat das Projekt TOGETHER Lehr- und Lernmaterialien erstellt, die sich speziell an Menschen mit Migrationshintergrund richten. Dabei geht es um Energiesparen und eine nachhaltige Fortbewegung wie sicheres zu Fuß gehen, sicheres Radfahren, die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und umweltfreundliche Autonutzung. Die Materialien werden in insgesamt 6 Sprachen übersetzt. Die englischen Materialien können hier heruntergeladen werden.

 

 

Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und ÖV

Source: ISEMOA picture database


Source: ISEMOA picture database

Ungefähr 35 % bis 40 % der europäischen Bevölkerung sind aus unterschiedlichen Gründen mobilitätseingeschränkt und treffen auf viele verschiedene Barrieren im öffentlichen Raum oder Verkehr (siehe Zugänglichkeit und Barrierefreiheit - warum wir sie brauchen für eine Beschreibung und Verbesserungsvorschläge). Durchschnittlich legen mobilitätseingeschränkte Personen kürzere Wege (6,7 km/Weg ) (9,2 km/Weg) als nicht mobilitätseingeschränkte Personen (9,2 km/Weg) zurück (siehe Nutzen verbesserter Barrierefreiheit und Zugänglichkeit, verfügbar in 13 Sprachen). Da der öffentliche Raum und ÖV oft nicht für Rollstuhlfahrer, Menschen mit Kinderwagen, Personen mit schwerem Gepäck, Blinde, usw. zugänglich ist, wird müssen viele Wege zwangsweise mit dem Pkw zurückgelegt werden.

Vor kurzem haben zwei europäische Projekte jeweils ein System zum Qualitätsmanagement entwickelt, das lokalen und regionalen Behörden bei der Verbesserung der Zugänglichkeit und Barrierefreiheit helfen soll.
  • Das im Rahmen des Mediate Projekts (2009-2011) entwickelte Qualitätsmanagement System (QMS) setzt seinen Fokus auf den öffentlichen Verkehr. Es besteht aus einer Reihe von Indikatoren der Zugänglichkeit die es ermöglichen, die Zugänglichkeit zum ÖV zu untersuchen und messbar zu machen. Das Selbstbewertungsinstrument zielt darauf ab, die Stärken und Schwächen des Zugangs zu öffentlichen Verkehrsmitteln zu beurteilen und so Strategien zur Verbesserung entwickeln zu können. Ein Good-practice Handbuch ergänzt das QMS und gibt konkrete Planungshinweise für die Praxis.
  • ISEMOA (2010-2013) konzentriert sich auf die Zugänglichkeit der Mobilitätskette von Tür-zu-Tür mit allen verfügbaren nachhaltigen Verkehrsmitteln. Das ISEMOA QMS wurde an 18 Test-Orten geprüft und genehmigt. Der Kern des ISEMOA QMS besteht aus einem moderiertem Audit Prozess, währenddessen mobilitätseingeschränkte Personen sowie Vertreter des Verkehrsämter, der (Stadt)Planungsämter, der Sozialämter, der Verkehrsbetreiber etc. die Stärken und Schwächen der Zugänglichkeitsarbeit in der jeweiligen Gemeinde, Stadt oder Region beurteilen. Dies wird mit der Hilfe eines ISEMOA Auditors gemacht. Falls Sie daran interessiert sind, auch ISEMOA Auditor zu werden, besuchen Sie diese Website. Hier wird bekannt gegeben, wo genau in den 15 teilnehmenden Ländern das nächste Auditor Training im Winter 2012 und Frühling 2013 stattfinden wird.

 

 

Ältere Menschen – Goal identifiziert fünf unterschiedliche Mobilitätstypen

Source: ISEMOA picture database

Ältere Menschen werden oftmals als eine homogene Gruppe betrachtet, was aber nicht der Realität entspricht. GOAL ist ein Forschungsprojekt des 7. EU-Rahmenprogramms, das sich mit derzeitigen und zukünftigen Mobilitätsbedürfnissen von Senioren beschäftigt. Ein zentraler Baustein des Projektes ist die Identifikation auf Basis einer Vielfalt von quantitativen und qualitativen Daten von unterschiedlichen Profilen älterer Menschen. Insgesamt wurden fünf unterschiedliche Mobilitätstypen identifiziert (siehe Bericht Profile of older people), die die Grundlage für die Beurteilung der Effektivität von Mobilitätslösungen bilden. Auf dieser Basis soll ein Aktionsplan zur Entwicklung innovativer Lösungen der zukünftigen Verkehrsbedürfnisse älterer Menschen entwickelt werden. Aufgezeigt werden kann auch, wo in Zukunft noch Forschungsbedarf besteht.

 

 

Soziale Eingliederung beinhaltet auch Transgender-Personen

Eine Studie der Transgender Europe (TGEU) zeigt, dass 79 % von Transgender-Personen in der Öffentlichkeit belästigt werden und 43 % sich auf der Straße weniger gut behandelt fühlen. Deshalb hat die Organisation im März 2012 in Coimbra ein Statement zur Umsetzung sozialer Eingliederung durch nachhaltigen Verkehr im CIVITAS training workshop on social inclusion präsentiert. Die TGEU fordert die zuständigen Behörden des MM in Europäischen Städten und Gemeinden dazu auf, den öffentlichen Raum und Verkehr sicherer für Transgender-Personen zu machen. Der Bericht beinhaltet best-pratice Beispiele und konkrete Empfehlungen.

 

 

Unterrichten auf Augenhöhe

Unabhängig von der Zielgruppe beinhaltet die Peer-to-Peer-Tutoring viele Vorteile. Einer davon ist, dass der ‚Lehrer‘ , da er denselben Erfahrungshintergrund hat, die Schwierigkeiten der ‚Schüler‘ besser versteht und kann entsprechend seine Lehre anpassen. Daher ist es nur folgerichtig, dass auch viele Mobilitätsmanagement Trainingsprogramme das Peer-to-Peer-Tutoring anwenden. Hier einige Beispiele:
  • Im Projekt Northern Community Ambassadors Scheme wurden Menschen vor Ort geschult, den Schienenverkehr sozial benachteiligten Gruppen näherzubringen. Die „Botschafter“ bieten Informationen niederschwellig an öffentlichen Plätzen an, halten Präsentation und begleiten Person beim Ausprobieren des Schienenverkehrs. Migrantinnen profitieren am meisten davon, da ihnen geholfen wird sich unabhängig fortzubewegen.
  • In Flandern bringen ÖV-Seniorbotschafter anderen älteren Menschen den Umgang mit dem ÖPNV näher. Das Projekt wurde durch das niederländische Beispiel aus Breda im Jahr 2009 inspiriert (weitere Informationen) und erwies sich als großer Erfolg. Von Januar bis September 2012 unterrichteten 30 ÖV-Botschafter mehr als 2.900 Gleichaltrige in 92 Workshops (weitere Informationen). Die praktischen Übungen waren besonders erfolgreich; 90 % der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die bislang selten oder nie den ÖV nutzen, gaben an, dass sie viel gelernt hätten. Ein gleicher Prozentsatz weiß nun besser, wie öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden und die Hälfte (56 %) will den ÖV selber ausprobieren.

 

 

Andere inspirierende Initiativen

  • Seit Anfang 2012 bringt die Leuven Bicycle school (BE) Erwachsenen das Fahrradfahren bei. Der Kurs beinhaltet vier Module: praktische Übungen (5 bis 8 Unterrichtstunden), Radfahren auf der Straße (unter Beachtung der Verkehrsregeln), Radfahren in der Stadt und im „alltäglichen Leben“ (lernen, kleine Reparaturen durchzuführen, Routen ausarbeiten, etc.). 74 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter meist Migrantinnen oder ältere Menschen, haben am praktischen Fahrradkurs mitgemacht. 70 % dieser Gruppe blieben bei den 5 bis 8 Radfahrstunden anwesend, mit dem Resultat, dass das nun 90 % von ihnen, das Radfahren erlernt haben.
  • Im Kontext des CITIVAS ELAN, hat die Stadt Zagreb ein Spaß- und Bildungsvideo über die Sicherheit für ältere Menschen im öffentlichen Verkehr gemacht. Die zwei älteren Hauptcharaktere zeigen, wie sie mit Herausforderungen bei der Nutzung einer Straßenbahn umgehen. Das Video ist in kroatischer Sprache, aber Bilder erklären mehr als Worte…

 

 

Veranstaltungshinweise

 
  • DECOMM 2012 in Hannover
    22. – 23. November 2012 – Hannover (DE)

    Am 22. und 23. November 2012 findet die Zweite Deutsche Konferenz zum Mobilitätsmanagement (DECOMM) in Hannover statt. Die DECOMM knüpft an die „European Conference on Mobility Management“ (ECOMM) an. Nach dem erfolgreichen Auftakt 2011 in Dortmund ermöglicht die DECOMM 2012 auch in diesem Jahr einen Austausch aller Akteure zu aktuellen Entwicklungen im Mobilitätsmanagement in Deutschland.

    Veranstalter der DECOMM 2012 sind die ivm GmbH (Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region Frankfurt RheinMain), das ILS - Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung in Dortmund sowie die Region Hannover als Gastgeber zusammen mit dem Mobilitätsdienstleister üstra (Hannoversche Verkehrsbetriebe AG).
    Die DECOMM 2012 steht unter dem Motto „Mobilitätsmanagement 2.0 – neue Wege zu mehr Multimodalität“.

    Das abwechslungsreiche Tagungsprogramm liegt nun vor.
    Weitere Informationen und das Anmeldeformular finden Sie hier.

  • Schulung intelligenter Mobilität
    21. – 25. November 2012 – Newcastle (UK)
    http://www.ncl.ac.uk/cegs.cpd/transport/

  • UITP 60th World Congress and Mobility & City Transport Exhibition
    26. – 30. Mai 2013 – Geneva (IT)
    http://www.geneva2013.org
Für weitere Informationen besuchen Sie den EPOMM Kalendar.

 

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