Mobilitätsmanagement in der CIVITAS-Initiative
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Liebe Leserinnen und Leser,

vor einigen Wochen kamen die europäischen CIVITAS-Städte und Mobilitätsexperten in Brest zur jährlichen CIVITAS-Forum Konferenz zusammen. Zeitgleich startete die CIVITAS-Initiative ihre neue Website. In diesem E-Update zeigen wir, dass das Mobilitätsmanagement einen zentralen Teil der Arbeit von CIVITAS in den letzten Jahren darstellte. Es ist somit an der Zeit, einen genaueren Blick auf dieses Programm „von und für Städte“ zu richten und das gesammelte Wissen und die umfangreiche Erfahrung im Bereich Mobilitätsmanagment aus den einzelnen CIVITAS-Runden aufzuzeigen.

 

Ten years of CIVITAS

Die CIVITAS Initiative ist ein EU-Programm (FP7), das Städten bei der Überprüfung und Entwicklung integrierter Maßnahmengpakte für eine nachhaltige urbane Mobilität unterstützt. Es wurde 2002 ins Leben gerufen, seitdem haben mehr als 60 Europäische Städte finanzielle Förderung in Anspruch genommen. Drei Runden von 4-Jahresprojekten wurden bereits abgeschlossen, das vierte läuft gegenwärtig noch. Im Jahr 2012 blickte die Initiative auf 10 Jahre CIVITAS zurück und befragte mehrere CIVITAS-Städte über den Nutzen Beteiligung am Programm. Interessanterweise wurde „Mobilitätsplanung und -marketing“ von den Städten als das nützlichste Thema unter den CIVITAS-Themen eingestuft , gefolgt von Echtzeit-Nutzerinformation. Das Thema „Carpooling und Carsharing“ war unter den Top-5-Themen. Und in der Tat: Wenn wir uns eine Reihe von Maßnahmen ansehen, welche im Rahmen von CIVITAS durchgeführt wurden, fällt auf, dass das Mobilitätsmanagement die beliebteste Maßnahmenkategorie ist (auf welche dahingegen nur ein Bruchteil des Gesamtbudgets verwendet wurde).

Die Stärke der CIVITAS-Initiative liegt in ihrem Fokus auf einem integrierten Planungsansatz gegenüber allen Verkehrsarten und -formen in ihren Städten. Im Aufruf/Call für die aktuelle Phase des CIVITAS-Projekts gilt das Vorhandensein oder die gegenwärtige Entwicklung eines SUMP als grundlegende Voraussetzung für eine erfolgreiche Antragstellung. CIVITAS hat acht Bausteine oder Themen als grundlgegende Bestandteile einer jeden integrierte Strategie für nachhaltige Mobilität in Städten identifiziert. Jede Stadt wählt auf dieser Basis, ensprechend ihrer lokalen Prioritäten, ein passendes Set an Mobilitätslösungen aus. Für das EPOMM Publikum sind Mobilitätsmanagement (Marketing, Mobilitätsplanung und Öffentlichkeitsbeteiligung - siehe thematisches Video) und autounabhängige Lebensstile (Bikesharing, Carsharing, Carpooling - siehe thematisches Video) die am relevantesten CIVITAS-Themen.

 

Kreatives Marketing

Quelle: www.civitas.eu - j.kudelski/studioapropos.com

In den ersten zehn Jahren haben CIVITAS-Städte mehr als 125 Maßnahmen im Bereich Mobilitätsmanagement und 49 Maßnahmen im Bereich autounabhängige Lebenstile durchgeführt. Insbesondere die Sammlung von Mobilitätsmarketinginitiativen zeigt einige sehr kreative Lösungen, um nachhaltige Mobilitätslösungen effektiv zu kommunizieren. Zum Beispiel:

  • Die Stadt Ljubljana (SI) warb für ihr neues Bike-Sharing-System „Bicikelj“ nicht durch das Anbringen von Plakaten in den Straßen sondern indem sie die Fahrräder tatsächlich selbst im Straßenraum anbrachte. Und ihre modischen Bicikelj-T-Shirts erobern sicher das Herz eines jeden "Hardcore-Autofahrers"
  • In Zagreb werden in einem humorvollen Video Anweisungen für ältere Leute zur sicheren Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs gegeben. Die ältere Dame Vlatka weiß ganz genau, wie sie sich im Bus verhalten muss - dagegen stehen die unbeholfenden Versuche des Rentners Alojz das gleiche zu tun
  • Die Stadt Tallinn (EST) macht den öffentlichen Verkehr attraktiver, indem sie eine ihrer Buslinien mit "Strick-Graffiti".
  • Danzig (PL) und Ghent (BE) zeigen wunderschöne Bilder von gewöhnlichen Leuten auf Fahrrädern in ihrer "Cycle-Chic" Kampagne.
  • Einige Städte schuffen eine Marke für den öffentlichen Nahverkehr, wie zum Beispiel Overground in Preston (UK) oder eine sogar noch umfassendere Mobilitätsmarke wie Accessible Utrecht (NL) oder Yélo in La Rochelle (FR).
 

Shared mobility

Fahrgemeinschaften sind ein schwer zu initiierender Service. Der Stadt Stuttgart (DE) elang es ihren lokalen Sportverein VfB dazu zu bringen, für einen neues Portal zur Vermittlung von Fahrgemeinschaften im Rahmen von Großveranstaltungen wie zum Beispiel Fußballspielen zu werben. Jährlich besuchen mehrere hundertausend Leute das Portal. Die Stadt Perugia (IT) entwickelte den Prototyp eines neuen Zugangssystems, um für Fahrgemeinschaften vorgesehene Parkplätze abzusperren. Das entwickelte System erkennt, wie viele Menschen sich in einem Auto befinden und öffnet nur PKW mit drei oder mehr Passagieren.

Die Stadt Utrecht (NL) rief eine gezielte Kampagne für Carsharing in bestimmten Quartieren ins Leben, die, basierend auf einer Zielgruppensegmentierung, mehr als 1.000 potentielle Carsharing-Nutzer aufweisen. Die optisch ansprechende Webseite der Kampagne erlaubt Besuchern zu überprüfen, ob Carsharing für sie profitabel wäre. Die Besucher der Website können zudem auf einer interaktiven Karten angeben, wo sie gerne eine Carsharing-Station hätten.

 

Intermodalität

Jedes Jahr wird eine offizielle CIVITAS-Preisverleihung bei der jährlichen CIVITAS-Forum-Konferenz durchgeführt. Dieses Jahr ging der "CIVITAS –City-of-the-year" – Preis an Funchal (PT). Die Stadt wurde für die Integration ihres Fahrrad- und Bussystems und für die Schaffung eines speziellen „Touristen-Kit“ geehrt. Das „Touristen-Kit“ erlaubt Hotels Bustickets für die neu geschaffene „Grüne Linie“ zu verkaufen. Ein anderes positives Beispiel für die Integration der Verkehrsarten ist die Stadt Szczecinek (PL). Dort wurden Fahrrad- und Rikscha-Verleih-Stationen in Nähe zu Haltestellen von Wasser-Straßenbahn und von Wasser-Taxis platziert.

 

Mobilitätsplanung 2.0

Die gegenwärtige Phase von CIVITAS schließt acht Städe, welche in zwei Projekten gruppiert sind, ein. Die CIVITAS DYN@MO-Städte – Aachen (DE), Gdynia (PL), Koprivnica (HR) und Palma (ES) –entwickeln eine interaktive Online-Kommunikationsplattform, um den nachhaltigen Mobilitätsplanungsprozess dynamisch zu machen, d.h. basierend auf georeferenzierten Verkehsmodellen ein sofortiges Feedback bzw. eine unmittelbare Wirkungsanalyse zu Planungsideen von Bürgern und anderen Akteuren zu ermöglichen. Wichtige Themen, die in dem 2MOVE2-Projekt – Brno (CZ), Málaga (ES), Stuttgart (DE) und Tel Aviv-Yafo (Israel) – behandelt werden, sind die Förderung nicht-motorisierter Mobilität sowie des öffentlichen Verkehrs, genauso wie die Ausweitung von von Mobilitätsinformationsdiensten für Unternehmen und Bürger.

 

Zusammenarbeit und Vernetzung

Gerade erst gewählt: das CIVINET-D Gremium

In zahlreichen Aktionen wurdene die CIVITAS-Städte zum einen unterstützt und zum anderen wurde das geschaffene Wissen, durch Schulungen, Studienreisen, Publikationen und einer jährlich stattfindenden CIVITAS-Forum-Konferenz verbreitet. Um den Transfer von CIVITAS-Know-how auf andere Städte und Experten weiter zu fördern, wird gegenwärtig von der CIVITAS-Initiative eine online Kooperationsplattform erstellt. Ergebnis dieses Prozesses wird eine umfangreiche Wissensdatenbank sein, in der die vorhandene Erfahrung produktiv verfügbar gemacht wird.

"Voneinander lernen - sich gegenseitig unterstützen" lautet das CIVITAS-Motto. Vor diesem Hintergrund haben sich mehr als 200 Europäische Städte zu einem pan-Europäischen CIVITAS-Forum-Netzwerk zusammengeschlossen. Um den gemeinsamen Lernprozess zu vereinfachen, wurden zudem an Sprachräumen orientierte CIVINET genannte Teil-Netzwerke gegründet. Das jüngste CIVINET ist die für den deutschsprachigen Raum, welches im November in Frankfurt gegründet wurde. Mehr CIVINETs werden im Laufe der nächsten Jahre gegründet werden. Zwischen den nationalen SUMP-Netzwerke, die in dem ENDURANCE-Projekt von EPOMM gegründet werden eng mit den CIVINETS kooperaieren, um die offensichtlichen Synergien zu nutzen.

 

Weiteführende Lektüre

 

Weitere Quellen finden Sie im CIVITAS Resource Centre.

 

Bevorstehende Veranstaltungen

Für weitere Veranstaltungen besuchen Sie bitte den EPOMM Kalender.

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