ENDURANCE - Mobilität und Gesundheit
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Liebe Leserin, lieber Leser,

wir freuen uns, dass die ENDURANCE Website endlich online ist! Und nun zum diesmaligen Thema Mobilität und Gesundheit:

Ein wesentliches Element eines jeden Plans für nachhaltige urbane Mobilität (Sustainable Urban Mobility Plan – SUMP) ist der integrierter Ansatz verschiedener Politikbereiche. In diesem zweiten ENDURANCE e-Update Newsletter beleuchten wir das Gesundheitswesen als ein Bereich, zu dem sich viele Synergien aus dem Verkehrssektor finden lassen. Anhand einiger Fallbeispiele werden die Vorteile einer gemeinsamen Betrachtung dieser zwei Sektoren veranschaulicht – die Integration des Gesundheitsaspekts in SUMPs als klare Win-Win-Situation.

 

Gesund sein, aktiv werden


Source: www.eltis.org

Die gesundheitlichen Vorteile aktiver Mobilitätsformen wie zu Fuß Gehen und Radfahren liegen auf der Hand. Inaktivität führt zu Mortalitätsraten, die mit dem Tabakrauchen vergleichbar sind (Quelle: WHO). Häufigere körperliche Bewegung, wie z.B. durch aktive Mobilitätsformen, reduziert das Risiko hinsichtlich der Gesamtmortalität, für Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes – siehe diese aktuelle Studienübersicht – sowie für Stress, Angst und Depression. Es verwundert nicht, dass der Anteil an Personen mit Adipositas in Gebieten mit einem hohen Anteil an aktiven Mobilitätsformen geringer ist als in Gebieten mit hoher Pkw-Nutzung. Schon die Benutzung eines EFahrrades ist intensiv genug, um den Richtlinien hinsichtlich der empfohlenen täglichen körperlichen Aktivität zu entsprechen (siehe Simons et al., 2009).

Im Rahmen des EU-Projekts TAPAS wurden sechs europäische Städte dahingehend untersucht, inwieweit die gegebenen Voraussetzungen, Maßnahmen und Regelungen aktive Mobilitätsformen fördern oder beeinträchtigen können. Darüber hinaus wurden resultierende Gesundheitseffekte beleuchtet. Eine Zusammenfassung dieser Studien wird im kommenden Frühjahr verfügbar sein (besuchen Sie regelmäßig die TAPAS-Website), einige Ergebnisse wurden jedoch bereits veröffentlicht. Beispielsweise wurde eruiert, dass es in Barcelona allein durch Fahrradverleihsysteme statistisch gesehen zu einer Reduktion von 12 Todesfällen jährlich kommt und 9.000 Tonnen CO2-Emissionen eingespart werden (Vollständige Liste der TAPAS-Publikationen.)

 

Aktive Mobilitätsformen halten die Luft sauber


Source: Wing-Chi Poon / CC BY-SA 3.0

Aktive Mobilitätsformen tragen zu besserer Luftqualität bei. Die WHO geht davon aus, dass aufgrund der Feinstaubbelastung die Lebenserwartung in Europa gegenwärtig um ein Jahr reduziert ist. 88% der menschlichen Bevölkerung lebt in Regionen, in denen die von der WHO empfohlenen Feinstaub-Grenzwerte überschritten werden. Das Interreg NWE Projekt Joaquin (Joint Air Quality Initiative) sammelt neue Erkenntnisse zur Luftqualität und hilft Behörden bei der Entscheidung für effiziente Maßnahmen zur Luftreinhaltung. Für das Städtenetzwerk Polis ist die Sache allerdings bereits klar: eine Verlagerung des Verkehrs zu aktiven Mobilitätsformen und ÖPNV kombiniert mit verbesserter Flächennutzung führt zu deutlich größeren unmittelbaren Gesundheitseffekten, als durch die alleinige Konzentration auf die Verbesserung der Luftqualität durch effizientere Fahrzeuge erreicht werden kann (Polis Positionspapier zur Sicherstellung von Gesundheitseffekten von aktiven Mobilitätsformen in Europa, 2012).

Radfahren und zu Fuß Gehen vermindert darüber hinaus auch das Ausmaß des verkehrsbedingten Lärms. Nach Erkenntnissen der WHO gehen der Bevölkerung in den Ländern Westeuropas mindestens eine Million gesunde Lebensjahre durch die gesundheitlichen Auswirkungen von Umgebungslärm verloren (Burden of disease from environmental noise, WHO).

 

Gemeinsame Ziele erreichen


Source: www.eltis.org

Der große Vorteil der Integration unterschiedlicher Politikbereiche in Bezug auf Verkehr, Gesundheit und Umwelt ist es, Synergien nutzen zu können (Win-Win-Lösungen), sowie zu gewährleisten, dass die Maßnahmen und Richtlinien in den verschiedenen Sektoren konsistent sind und Zweigleisigkeiten vermieden werden. Der Nachnutzungsplan (Legacy plan) der Olympischen Spiele in London ist ein gutes Beispiel dafür, wie die politischen Ziele unterschiedlicher Sektoren durch die Organisation eines großen Sportereignisses erreicht werden können: Der Plan sieht einen bleibenden Einfluss auf die Bereiche Verkehr, Gesundheit, Lebensqualität, Wirtschaft, Soziales, Bildung, Sport, etc. vor.

Das Pan-Europäische Programm für Verkehr, Umwelt und Gesundheit THE PEP verfolgt das Ziel, die relevanten Vertreter der drei Sektoren Verkehr, Gesundheit und Umwelt auf gleichrangiger Ebene zusammenzubringen. Siehe dazu die THE PEP Leitlinien bezüglich der institutionellen Voraussetzungen für die Integration verschiedener Politikbereiche.

 

Zu Fuß Gehen und Radfahren im Gesetzesrang


Source: www.eltis.org

Europaweit wird in den letzten Jahren wird die Förderung von körperlicher Aktivität zunehmend als prioritäre Gesundheitsinitiative anerkannt. In Wales wurde am 1. Oktober 2013 die weltweit erste Gesetzgebung zu aktiven Mobilitätsformen verabschiedet. Der Active Travel Act fordert lokale Behörden zur Förderung aktiver Mobilitätsformen und zur Planung eines flächendeckenden Netzes an Fuß- und Radwegen auf. Auch im Vereinigten Königreich wurde kürzlich die neue All-Party Commission on Physical Activity gestartet, um der „körperlichen Inaktivität-Epidemie“ entgegenzuwirken. Der Blick liegt dabei auf dem Ganzen anstatt auf einzelnen Politikbereichen wie Gesundheit, Sport, Verkehr, Stadtplanung und Bildung.

In Finnland gehen Mobilität und Gesundheit auf unterschiedliche Weise Hand in Hand. Das Bildungsministerium und das Ministerium für Soziales und Gesundheit finanzieren gemeinsam Mobilitätsmanagement-Projekte durch das Fit for Life Programm. Im Projekt "Bewegen Sie sich beim Weg zur Arbeit" (Liikettä työelämään) in der Stadt Turku kooperieren beispielsweise die lokale Umweltabteilung, das Gesundheitsamt, das Büro für Mobilitätsmanagement, der ÖPNV-Anbieter und eine privaten Versicherungsgesellschaft.

 

Bereichsübergreifende Zusammenarbeit auf lokaler Ebene


Source: www.eltis.org


Photo courtesy of the municipality of Gdynia

Im Rahmen des URBACT-Projektes Active Travel Network (ATN) arbeiteten in der dänischen Stadt Skanderborg erstmals die Abteilungen für Straßenverkehr, für strategische Planung und Entwicklung sowie das Gesundheitsamt zusammen. Sie erarbeiteten eine gemeinsame Strategie zur Förderung aktiver Mobilitätsformen. Die umgesetzten Maßnahmen werden von allen relevanten politischen aktiv unterstützt (Lesen Sie mehr).

In Gent, Belgien, wurde die Kampagne 10.000 Schritte pro Tag von den zuständigen Behörden für Gesundheit, Sport und Verkehr gefördert und verbreitet. Nach einem Jahr ergab eine Evaluierung, dass unter den Personen, die durch die Kampagne erreicht wurden, das Ziel der 10.000 täglichen Schritte um 8 % häufiger erreicht wurde, während eine Kontrollgruppe keine Erhöhungen zeigte. Die Kampagne wurde in der Folge auf die gesamte Region Flandern ausgedehnt, wobei bereichsübergreifende Kooperation eine der Schlüsselkomponenten des Konzepts blieb (Kampagnen-Website in niederländischer Sprache).

Im Projekt SEGMENT der der Stadt Gdynia (Polen) geleitet wird, kam es erstmals zu einer Kooperation der Straßenverwaltung mit Gesundheitseinrichtungen. Zielgruppe waren Eltern von Neugeborenen. Die "New parents campaign" gte diese, zu Fuß mit ihren Babys zum Gesundheitszentrum zu gehen – und auch im Alltag mehr zu Fuß zu Gehen. Eine Plakat-Kampagne porträtierte das zu Fuß Gehen als Möglichkeit, fit zu bleiben und sich "stylish und trendy" in der neuen Rolle als Elternteil zu präsentieren.

In mehr als 100 Gemeinden in Andalusien, Spanien verschreiben Ärzte in lokalen Gesundheitszentren ihren Patienten die regelmäßige Benutzung von bestimmten Fuß- und Radwegen (Rutas para una vida sana, ES). Die lokalen Gesundheitsbehörden, die für solche Projekte verantwortlich sind, sind in ihren Gemeinden auch sehr aktiv bei der Ausarbeitung von SUMPs.

 

SUMPs in Frankreich – Gesundheit als Schwerpunkt


© P. Bogner / Cus, www.strasbourg.eu

Aktive Mobilitätsarten und deren Zusammenhang mit dem Gesundheitsaspekt werden seit kurzem in die französischen PDU's (Plan de Déplacements Urbains, die französische Bezeichnung für SUMP – lesen Sie mehr über 30 Jahre PDU) integriert. Ein gutes Beispiel in dieser Hinsicht ist der draft Strasbourg PDU (Straßburg, Frankreich). Zu Fuß Gehen, Radfahren und deren Auswirkungen auf die Gesundheit bilden die ersten drei Themen des PDU. Mehrere Maßnahmen zielen auf die Bewusstseinsbildung der BürgerInnen bezüglich Zu Fuß Gehen und Radfahren ab, z.B. durch Hinweisschilder, die die Zeitdauer zu verschiedenen Zielen mittels zu Fuß Gehen bzw. Radfahren angeben. Eine spezifische Zielgruppe einer Kampagne bezüglich der Vorteile aktiver Mobilität sind Angehörige von Gesundheitsberufen. Auf diese Art wird die Integration des Gesundheits- und Verkehrsbereichs weiter gestärkt. Der PDU von Lille (Frankreich) verbindet Gesundheitsaspekte mit Umwelt- und Verkehrssicherheitsfragen, indem Schadstoffbelastung und Lärmbelästigung durch den Straßenverkehr, sowie die Schaffung einer sicheren Verkehrsumgebung in den Mittelpunkt gestellt werden.

 

Städteplanung für gesunde Umwelt


Source: www.eltis.org

Eine zunehmende Zahl von Untersuchungen belegt einen Zusammenhang zwischen unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden einerseits und der Gestaltung und Struktur unserer Städte, Gemeinden und Regionen andererseits. Aus diesem Grund hat die australische Healthy Spaces & Places Initiative Ratschläge von Experten aus den Bereichen Gesundheit, Planung, Städtebau, städtische Sicherheit und Verkehrsplanung gebündelt, um Orte zu schaffen, die körperliche Aktivität und psychische Gesundheit begünstigen (Liste der Fallstudien). Ebenfalls in Australien finanziert das Gesundheitsministerium in New South Wales das Healthy Built Environments Programm with $1.5 million over 5 years to revitalise the relationship between the built environment and health professions.

Bislang haben relativ wenige Forschungsarbeiten die Auswirkungen von Maßnahmenpaketen, in denen Änderungen an der Infrastruktur mit Bewußtseinsbildungsmaßnahmen für das Zu Fuß Gehen kombiniert werden, stattgefunden. Das britische Fitter for Walking Projekt verfolgt diesen zweifachen Ansatz in benachteiligten Gemeinden.

 

Die Wirtschaft wird ebenfalls gestärkt

Die WHO plädiert für vermehrte Nutzung wirtschaftlicher Evidenz für die umweltmedizinische Entscheidungsfindung. Das vor kurzem gegründete WHO Environmental Health Economics Network (EHEN) verwendet die Kompetenz und Erfahrung ihrer Mitglieder zur Förderung solcher Arbeiten im Rahmen der Vorbereitung für die sechste WHO Ministerkonferenz zu Umwelt und Gesundheit, die für 2016 geplant ist. Vgl. den Bericht des ersten Expertensymposiums.

Das HEAT tool der WHO (2009, Online Version hier) – ein Instrument zur Monetarisierung der wirtschaftlichen Vorteile der reduzierten Mortalität infolge von zu Fuß Gehen und Radfahren – wurde bereits in Österreich, Tschechien, Frankreich, Schweden, Neuseeland, Großbritannien und den USA verwendet. HEAT wird mittlerweile standardmäßig von Verkehrsplanern im Vereinigten Königreich verwendet. Die ‚European Cyclists' Federation’ verwendete das Tool zur Berechnung, dass in der EU durch das Radfahren ein jährlicher wirtschaftlicher Nutzen von 200 Milliarden Euro generiert wird. Mehr als die Hälfte davon ergibt sich aufgrund der Gesundheitseffekte.

 

News von ähnlichen Projekten: BUMP

Das EU-Projekt BUMP – Boosting Urban Mobility Plans bietet Kommunen mit einer Einwohnerzahl zwischen 40.000 und 350.000 Einwohnern ein umfassendes kostenloses Paket einschließlich Fortbildung, Know-how-Austausch und Unterstützung bei der Ausarbeitung von SUMPs. Durch das Projekt können auch die Reise- und Unterkunftskosten für die TeilnehmerInnen gefördert werden.

 

Quellen für weiterführende Literatur

 
 

Bevorstehende Veranstaltungen

 
  • 5th Transport Research Arena TRA2014
    13.-16. April 2014 – Paris, Frankreich
    http://tra2014.sciencesconf.org/
    • Parallel dazu: The PEP - 4th High-level Meeting Transport, Health and Environment
      14.-16. April 2014 – Paris, Frankreich
  • ECOMM 2014 Florence
    European Conference on Mobility Management
    7.-9. Mai 2014, Florenz, Italien
  • mobil.TUM 2014 Conference
    19.-20. Mai 2014 – München, Deutschland
    http://www.mobil-tum.vt.bgu.tum.de

Weitere Veranstaltungen finden Sie auf dem EPOMM Kalender.

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